Dieser Bericht wurde von Urs zur Veröffentlichung in der Zürichsee-Zeitung erfasst. Leider ist er nach über 3 Wochen immer noch nicht erschienen. Hier könnt Ihr ihn nun trotzdem lesen.
Vieles ist in der Zwischenzeit geschehen und einiges lief gar nicht nach meinen Vorstellungen. Nachdem ich den letzten Bericht geschrieben hatte, wollte ich über die Grenze nach Mexiko. Das klappte ja noch ohne Probleme, ja sogar, ich merkte kaum, dass eine Grenze existiert. Doch die Hotelsuche verlief erfolglos. Es gab zwar viele und sie waren auch sündhaft teuer, aber dennoch waren alle Zimmer besetzt. Ich verstand die Welt nicht mehr. Wie konnte dies nur möglich sein? Ich bat einen Polizisten, der mit zwei Frauen sprach, um Hilfe.
Maria, die eine Frau konnte mir helfen. Sie hatte ein Appartement, aber das lag wieder in Amerika. Also folgte ich ihrem Auto wieder über die Grenze nach Amerika. Mein erster Mexikoaufenthalt dauerte also nur wenige Minuten. Die gute Frau erklärte mir danach auch, warum die Hotels alle überbucht waren. Schuld daran waren nämlich die Schlepper, weiche die Grenzgegend zur gefährlichsten Region des Landes machen und eine Tochter von ihr vor vier Jahren ermordeten. Sie bringen Mexikaner, die nach Amerika fliehen wollen, in den Zimmern unter und warten auf eine günstige Gelegenheit, die Grenze zu passieren. So fuhr ich eben einen Tag später wieder über die Grenze und rastete erst, als ich schon viele Kilometer vom Krisenherd entfernt war. Von da an lief es ganz gut und die Leute waren überall sehr hilfsbereit. Auch die Strassen waren in einem wesentlich besseren Zustand als ihr Ruf.
Nach 1500 km in Mexiko wurde meine Fahrt allerdings abrupt gebremst. Ein Crevettencocktail verdarb mir den Magen und zwang mich zur Bettruhe. Das mochte ich gar nicht, einfach nur herumliegen und werten. Als auch das Warten keine Besserung brachte, mussten eben Antibiotika den kleinen Organismen den Garaus machen. Dank der chemischen Hilfe ging es bald wieder aufwärts mit der Gesundheit und das Reisen machte wieder Spass. Doch grosse Sprünge lagen in den ersten Tagen noch nicht drin.
Da ich wahrend meiner kurzen Krankheit nichts zu tun hatte, schaute ich eben mal in einen Fernseher. Was ich in den Nachrichten sah, passte mir gar nicht in meinen Plan. Dass die Baja California unter Wasser stand, war für mich noch nicht tragisch, dass aber Chiapas, die südlichste Region Mexikos vom Hochwasser heimgesucht wurde, stellte mich vor grosse Probleme. Die Grenzbrücke zu Guatemala wurde nämlich zerstört und sollte frühestens in zwei Monaten wieder befahrbar sein. Wie es mit dem zweiten Übergang stand, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Es war aber auch nicht unbedingt notwendig, denn die wenigen Zufahrten dorthin waren ebenfalls zerstört. So blieb als einzige Lösung ein Umweg bis fast zur Halbinsel Yucatan übrig. Das waren immerhin gut 1000 Kilometer mehr, die ich fahren musste. Nachdem ich knapp zwei Monate im Gebirge fuhr, ging es nördlich von Guatemala ins tropische Tiefland. Nicht mehr herbstliches Wetter wie in der Höhe, sondern ein feucht-heisses Klima, prägten die Tage. So änderte sich auch die Tierwelt. Nicht mehr Bären kreuzten meinen Weg, nun waren es Schlangen, Affen, Vogelspinnen, Schildkröten, Papageien und andere bunte Vögel.
Mein "kleiner" Umweg führte mich dabei auf die Route der Mundo Maya. So besuchte ich eben die eindrücklichen Beuten der Mayas in Palenque, Tikal und Copan und noch einen kleineren Ort dazwischen. Die Bauwerke der Mayas waren wirklich sehr erstaunlich und vor allem enorm hoch. Nach vielen Wochen fahrradfahren war ich es nicht mehr gewohnt, Treppen zu steigen. Die Steinstufen führten steil nach oben. Nachdem ich viele Tempel erklommen hatte und vor alIem auch wieder hinuntergestiegen war, konnte ich einen Tag später kaum mehr fahren. Ich hatte mir einen klassischen Muskelkater eingehandelt, dank dem ich nur noch wenig Kraft auf die Pedalen entwickeln konnte. Trotz allem lohnten sich die Besuche der Stätten und ich konnte mein Geschichtswissen etwas aufpolieren.
Eine unschönere Erfahrung machte ich auf der Route durch Belize. Obwohl gerade eine einzige Strasse von Tikal (Norden von Guatemala) in den Süden führt, verdient sie das Prädikat "Strasse" nicht. Es war die übelste Schinderei auf meiner Reise hierher. Es kam mir vor, wie wenn ich in einer langgezogenen Geröllhalde unterwegs wäre, und das alles in der sengenden Sonne der Tropen. Nach fast lächerlichen 50 Kilometer war ich total kaputt. Altes tat mir weh, die Handgelenke und der Rücken. Der Nacken war steif wie ein Brett und ich konnte mich beinahe nicht mehr drehen. Die nächsten Tage brauchte ich, um mich auf einer normalen Strasse oder besser gesagt, guter Kiesweg, zu erholen.
Jetzt bin ich in Copan, am Ende meiner Mundo-Maya Reise. 78 Tage bin ich nun unterwegs und habe 13058km in den Beinen. Als nächstes geht es in grösseren Schritten nach Panama, wo ich in rund zwei Wochen da Flugzeug nach Medellin besteigen werde, da kein Weg nach Kolumbien führt.
© Andreas Bosshard, 09.12.98