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Downhill der besonderen Art vom 6.12.98

Wie ihr ja schon aus dem Zeitungsbericht erfahren habt, fuhr ich über die Todesstrasse. Das Wetter spielte zwar nicht mit, aber es war absolut einmalig, und ich würde gleich wieder gehen. Mit dem Fahrrad war es noch viel eindrücklicher als mit dem Bus, wo man in einem verdreckten Käfig sass. Für alle die hier vorbeikommen, die Strasse ist ein absolutes MUSS.

Leider las ich zwei Tage zuvor Amöben auf, die mich zu einem längeren Halt in der höchstgelegenen Stadt zwangen. So hatte ich Zeit, um die Ruinen in Tiwanaku zu besuchen. Obwohl niemand den ich sah begeistert war, unternahm ich den Tagesausflug, doch ich wurde wirklich enttäuscht. Wenn man schon die super Bauten der Mayas in Mexiko, Guatemala und Honduras besuchte und auch Machu Picchu gesehen hat, dann sind diese Ruinen wirklich nur ein Klaks und man kann sie getrost auslassen. Aber es war immer noch besser diese paar Trümmer zu sehen, als gar nichts zu machen.

So, nun aber zu meinem "Geheimtip". In meinem Hotel war nämlich ein Anschlag, dass eine Agentur einen Downhill mit dem Bike anbietet und das von einem knapp 5400m hohen Berg. Logisch, dass ich da hin musste, um mich zu erkundigen. Eine reine Abfahrt reizte mich aber gar nicht, ich wollte auch den Aufstieg aus eigener Kraft bewältigen. Da das bei diesem Führer nicht möglich war, fragte ich einfach nach der genauen Route. Zu meinem Erstaunen erklärte er mir den genauen Weg und zeichnete mir ein Kroki.

Heute, wo es mir schon wieder recht gut ging, nahm ich den Weg nach Chacaltaya unter die Räder. An und für sich ist das eine Sackgasse, sofern man nicht weiss, wo es weiter geht. Der Aufstieg ans Ende der Strasse auf 5240m fiel mir erstaunlich leicht. Entgegen den Angaben die ich bekam, brauchte ich nicht sieben Stunden, sondern nur knapp vier Stunden, um von La Paz (3600m) hinauf zu radeln. Danach wurde es für kurze Zeit etwas anstrengender, denn ich musste mein Fahrrad bis fast auf den Pass schieben. Die Leute schauten schon ein bisschen komisch, als sie mich sahen. Auf 5370m erreichte ich das Dach meiner Tour. Viel höher geht es nun wirklich nicht mehr. Ich war zwar schon auf dem Cotopaxi (5897m), aber da liess ich meinen Stahlesel im Tal.

Als ich vom höchsten Punkt ins Tal schaute, staunte ich schon ein wenig, denn eine 45 Grad steile Geröllhalde erwartete mich. Inzwischen ist dichter Nebel aufgezogen und ein Graupelschauer ging hernieder. Doch die Temperatur war relativ angenehm. Diese lose Schotterpiste müsse ich einfach hinunter, dann werde ich schon zu einem Pfad gelangen, wurde mir gesagt. Ich sah auch Spuren und so wusste ich, dass ich auf der richtigen Fährte war. Da mein Fahrrad eine etwas steile Geometrie hat und ich weit vorne sitze, war diese Strecke nicht gerade für mich gemacht. So lief ich eben am Anfang oft neben dem Fahrrad, bevor es flacher wurde. Und am Fusse des Abhangs begann wirklich ein Downhill, wie er spezieller nicht sein könnte. Auf einem Pfad ging es in engen Kehren den Berg hinunter und das immer noch auf über 5000m. Das war schon ein echt gutes Gefühl. Da ich schon einige Zeit in der Höhe verweile, hatte ich absolut keine Probleme, doch ich kann mir schon vorstellen, dass nicht jedermann diese dünne Luft gut verträgt. Auf jeden Fall genoss ich die Abfahrt. Da ich wieder nur mit der "kleinen Packung" unterwegs war, konnte ich auch mal schneller fahren, fast wie normal. Der Weg führte an Gletschern und grünen Lagunen vorbei und brachte mich in die abgelegendsten Bergregionen. Es war einmalig. Einziger Nachteil an der Sache war, dass man durch das Vorstadtghetto fahren musste, um wieder nach La Paz zu kommen. Nein, es waren nicht die Leute die mich störten, es waren die doofen Hunde. Ich habe ja schon viele bellenden und mir nachhetzende Hunde erlebt, doch diesmal packte mich einer. Doch er konnte nicht recht in meinen Neoprensocken beissen. Ich war wütend auf das Tier und klinkte den Schuh aus. Mit dem linken Fuss knallte ich ihm Vollrist eine in die Schnauze. Leider erwischte ich ihn nicht ganz optimal, sonst wäre er vermutlich abgelegen, aber ich traf ihn nicht schlecht. Jedenfalls tat es ihm bestimmt mehr weh als mir, denn er drehte rassig seine Richtung. Doch mit Ausnahme dieser kleinen Szene, war es ein megagenialer Tag.

Falls andere ebenfalls diesen Trip machen wollen, habe ich Euch noch die Adresse der Agentur. Dieser Downhill ist echt ein MUSS für alle Bike-Freaks und solche die es noch werden wollen. Er ist aber für jedermann schaffbar. Für einmal mache ich also Werbung für etwas, was sonst nicht meine Art ist.

America Tours S.R.L.
No 1490 Ave 16 de Julio
Edificio Avenida
Ground floor, Office No 9
La Paz

e-mail: AlistairM@hotmail.com

Der Führer ist von Neuseeland und spricht glaube ich nurEnglisch.

So, das wär's für den Moment. Da es mir ja wieder gut geht, wie ihr sehen könnt, werde ich mich morgen auf den weiteren Weg nach Süden machen. Da ich aber durch ziemlich abgelegene Regionen komme, musst ihr Euch vermutlich etwas gedulden, bis ihr wieder von mir hört.

Urs

 

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© Andreas Bosshard, 16.02.99