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Der windige Weg nach Peru vom 4.11.98

Endlich bin ich wieder an einem Compi und erst noch an einem recht schnellen. Hier in Trujillo (sprich Truchijo), fuhr ich gerade an zwei Internet-Cafés vorbei und bin schliesslich im dritten gelandet. Wesentlich schwieriger war es eine nicht übermässig teure Unterkunft zu finden, aber auch das klappte ja.

So, nun aber wieder alles der Reihe nach. Die Fahrt von Lasso hierher verlief nämlich gar nicht nach meinen Vorstellungen. Bei der Losfahrt sah ich immerhin noch schnell den Cotopaxi, sonst war er immer unter einer dichten Nebeldecke versteckt. Leider war ich aber zu langsam mit fotografieren, was mich unheimlich nervte. Als ich den Berg ablichten wollte, war er schon wieder schön verhüllt. Bis am Schluss meiner Tour habe ich es vermutlich gelernt, nicht zu warten, sondern gleich ein Foto zu machen. Wenigstens habe ich ihn aber gesehen.

Den 4000er Pass war wie gedacht keine Schwierigkeit, was mir mehr zu schaffen machte, war der Wind und die Kälte. Kaum war ich oben, zog Nebel auf und es wurde bitterkalt. Ich war bereits ein erstes Mal froh, dass ich nun die dicken Handschuhe bei mir hatte. Auch musste ich lange Hosen und die Gore-Tex Jacke anziehen, so war es gerade angenehm. Ich musste mich jedoch ein paar mal umkleiden, denn ich fuhr bis auf Meereshöhe hinunter. "Dank" Gegenwind durfte ich aber immer treten und auch der Nebel verschwand nicht. Selbst auf Meereshöhe fuhr ich nahe am Äquator mit der Windjacke. Was die Strasse anbetrifft, hatte die Karte leider nicht recht. Asphalt sieht nach meiner Vorstellung anders aus. Die Strasse war dermassen durchlöchert, dass ich teilweise sogar schneller war als die Autos, aber auch ich kroch nur so dahin. Die Strecke gefiel aber meinem Fahrrad ganz und gar nicht und der Gepäckträger brach weitere zweimal. Vor drei Tagen liess ich ihn erneut schweissen und liess auch noch eine Verstärkungsstrebe anbringen. Nun hoffe ich, dass er etwas länger halten wird. Ich glaube aber nicht, dass ich ohne weitere Brüche durchkommen werde. Gerade interessant war die Gegend nicht, etwa 150km fuhr ich zwischen Bananenbäumen hindurch. Die meiste Fläche gehörte Dole und das waren weit über 100 Quadratkilometer. Wenn ihr also das nächste Mal eine Banane verzehrt, dann schaut, ob sie von Equador kommt.

Die Grenze zu Peru war ein einziger Graus. Erstens musste ich ewig Schlange stehen und zweitens wurde ich beinahe beim Fahren ausgezogen. Da hielt mich nichts länger als nur unbedingt nötig in dieser Region. Ich fuhr gleich weiter am Meer entlang. Die ersten 50km gefielen mir dann auch noch, doch danach begann die schlimmste Strecke auf meiner Tour. Die letzten vier Tage kämpfte ich wie ein Gestörter gegen den brutalen Gegenwind. Ich erreichte im Durchschnitt der letzten 650km gerade einmal 19 km/h. Das bedeutete, dass ich teilweise 14 oder 15 Stundenkilometer fuhr und das auf einer topfebenen Strasse mit einem ultraschnellen Belag. Wäre die Landschaft noch einigermassen gewesen, es wäre viel erträglicher gewesen, aber auf der gesamten Strecke war eine einzige Wüste. Teilweise waren zwei Orte 190 km voneinander entfernt. Da kann man sich ja ausmalen, wie ein Tag bei mir aussah. Fahren, fahren und nochmals fahren, nur damit ich nach vielen Stunden ein paar km weiter war. Nein, mit Spass hatte das nichts mehr zu tun, es war eine einzige Schufterei, die mich beinahe zur Verzweiflung brachte. So ein Wind erlebte ich noch nie und schon gar nicht so extrem. Seit Lasso habe ich nur Gegenwind, aber seit ich in der Wüste bin, ist er unerträglich. Kein Wunder, dass da nichts spriesst, da würde ich auch um keinen Preis leben wollen. Jetzt darf ich wenigstens wieder in die Berge, da ist mindestens die Landschaft wieder schön. Die Strasse ist hingegen nicht mehr geteert und ich werde sicher nicht mehr schnell vorwärtskommen. Jedenfalls bin ich froh, dass die Wüste vorerst hinter mir liegt.

Ach ja, Trujillo ist eine riesige Stadt und liegt 570 km nördlich von Lima. Von hier aus fahre ich in die Berge und komme erst nach Lima wieder ans Meer. Leider sind auf meiner Karte keine Distanzen dieser Strecke angegeben und so habe ich keine Ahnung wie weit es ist. Ein Versuch, eine Karte zu bekommen war bisher erfolglos, obwohl ich in mehr als 10 Geschäften war. Auch mit den Banken habe ich so meine Mühe. Die sind echt provinziell. Es kann locker sein, dass 150 Personen in der Schalterhalle warten. So stand auch ich ein paar Mal in der Halle um schlussendlich doch kein Geld zu bekommen, obwohl es hiess es sei möglich. Die Banken bringen es nicht fertig, eine Verbindung zu Visa herzustellen und um den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und abzuklären, ob die Karte noch gültig sei, fehlt ihnen die Intelligenz, obwohl ich sie darum bat. Nun gut, so versuche ich es eben weiter bei einem Automaten, bis einmal einer funktioniert. Immerhin scheint die Telefongesellschaft professioneller zu arbeiten.

Nach Lima komme ich wieder schnell ans Meer, um in Nazca die mystischen Linien zu bestaunen. Vermutlich nehme ich für 35 Dollar einen Flieger und mache eine Rundflug. Danach geht es wieder in die Berge, direkt nach Cuzco, wo ich in Macchu Pichu die Inka-Ruinen besuchen werde. Anschliessend geht es weiter an den Titicacasee und nach La Paz, wo ich neues Ersatzmaterial bekomme.

Urs

 

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© Andreas Bosshard, 16.02.99